Im Sommer 2022 machen sich ein Künstler und einige Studierende der Hochschule für Künste im Sozialen in Ottersberg auf den Weg zur Dokumenta nach Kassel und weiter zur Biennale nach Venedig. Mit kurzen Aufenthalten entlang des Weges wandert die Gruppe die etwa 1250 Kilometer weite Strecke von Norddeutschland bis nach Italien. Die Wanderung ist der Versuch neue Wege zu finden, ausgetretene Pfade zu verlassen und sich trotzdem auf eine gemeinsame Reise zu begeben, von der bereits am Anfang absehbar ist, dass das selbstgesteckte Ziel sehr wahrscheinlich nicht zu erreichen ist.
Das gemeinsame Reisen, Arbeiten und Zusammenleben knüpft an verschiedenartige Ideen von Gemeinschaft, der Gestaltung einer anderen Welt und an drängende gesellschaftliche und politische Fragen der heutigen Zeit an. Interessierte Menschen sind eingeladen sich dieser uferlosen Unternehmung anzuschließen, sich an den fortlaufenden Auseinandersetzungen zu beteiligen, die dynamischen Gruppenprozesse mitzugestalten und Schritt für Schritt aus einer Versammlung einzelner Reisenden eine neue Gemeinschaft zu bilden. Die Reisegesellschaft ist ein Experiment mit offenem Ausgang und vereint Elemente des Theaters, der Aktionskunst und der Sozialen Praxis zu einem performativen und kollektiven Gesamtkunstwerk.
Das Projekt ist im Rahmen der Fachklasse für Neue Medien und Performative Künste an der Hochschule für Künste im Sozialen Ottersberg entstanden. An der Planung, Organisation und Durchführung sind Ray Lynn Asholt, Katharina Frank, Henrike Leonie Gärtner, Katharina Groß, Hannah Alena Herb, Marie Louise Hoppenheit, Janina Klenke, Alexandra Konradi, Lennart Merlin Latzke, Arisha Lukaszczyk, Nane Möller, Sina Sophie Ruge, Jule Rosa Sinn, Noemi Kristin Stancke und beteiligt.
Die auf der Reise gewonnenen Eindrücke, im weiteren Verlauf gemeinsam entwickelten Überlegungen und die nachklingenden Prozesse werden in gemeinsamen Ausstellungssituationen präsentiert und abschließend als Publikation zusammengefasst. Diese versammelt eine Vielzahl verschiedener Zettel, Notizen, Bilder, Zeichnungen und Textstücke unterschiedlicher Ausmaße zu einem vielstimmigen Konvolut heterogener Perspektiven und Ausdrucksweisen. Auf den Rückseiten sämtlicher Einzelteile der Publikation sind Objekte abgebildet, die die Gruppe auf ihrer Reise von Ottersberg nach Venedig begleiten und die sich bei jedem
Rastplatz wie ein großer Teppich ausbreiten und ein kurzfristiges Lager bilden. Mit dem Ausbreiten der persönlichen Objekte, Gegenstände und mitgebrachten Werkzeuge werden die jeweiligen Plätze besiedelt, vereinnahmt, in eigene Orte verwandelt und diese vorübergehend bewohnt. Die Kleinteiligkeit und die Vielheit der Publikation greift die schwarmhaften und ortsspezifischen Besetzungen auf und erzeugt ein unübersichtliches Schaubild kurzfristiger gruppendynamischer Zustände.